Unsere Redaktion im Portrait

Welche Kolleginnen und Kollegen stecken eigentlich genau hinter der mgo und in welchem Tätigkeitsbereich arbeiten sie? Um zu zeigen, wie vielfältig wir sind, stellen wir in der Reihe „Wer ist eigentlich …?“ unsere Redaktion vor.

Den Auftakt gibt Michael Memmel, Leitender Redakteur im Lokalen. Im Beitrag blickt er auf über 23 Jahre beim Fränkischen Tag und eine sportliche Vergangenheit zurück.

Redakteur bin ich gerne, weil…

Michael Memmel: …es ein ungemein vielseitiger und spannender Beruf ist. Gerade in einer Lokalredaktion weißt du nie, was dich am heutigen Arbeitstag erwartet. Du betrittst die Redaktion und glaubst, heute einfach aus Deinen Notizen von gestern Abend einen Artikel schnitzen zu können – und plötzlich ist alles anders. Weil es irgendwo brennt, ein Promi unerwartet in der Stadt ist oder ein Informant einen topaktuellen, heißen Tipp hat.

Meine spannendsten Gespräche bisher habe ich geführt mit…

…den Sportlern, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Sportredakteur für die Ausgabe Höchstadt/Herzogenaurach porträtiert habe. Zumeist wollte ich eine Stunde mit den Menschen reden, nicht selten wurden drei daraus, und ich war fasziniert, als Fremder so tief in das Leben und die Gefühlswelt dieser Menschen eintauchen zu dürfen. Tatsächlich haben sich  die Aha-Momente und entscheidenden Details erst ganz am Ende der Gespräche ergeben.

Das hat mich bisher in meinem Berufsleben am meisten beeindruckt:

Dass Promis mit Zurückhaltung mehr punkten können, als wenn sie groß aufsprechen. Während ich in Herzogenaurach gearbeitet habe, bin ich gelegentlich auf Grund der dort ansässigen drei „Global Player“ mit Promis in Kontakt geraten. Positiv im Gedächtnis geblieben, sind mir vor allem die, welche sich bescheiden gezeigt haben: Franz Beckenbauer, Jelena  Issinbajewa und Sonja Zietlow. Aus diesem Verhalten habe ich für mich gelernt.

Mein dickster Fehler?

War weniger dick als vor allem peinlich. Als Anfänger in der Sportredaktion durfte ich einst direkt nach der Partie die Spieler von damals noch TSK Bamberg interviewen. Unbedarft wie ich war, glaubte ich an Aussehen und Namen problemlos auf die Herkunft meiner Gesprächspartner schließen zu können. Und so redete ich Chris Ensminger auf deutsch und David Arigbabu auf englisch an. Jeweils falsch. Beide reagierten irritiert bis belustigt. Danach versuchte ich es dann doch mal mit „vorher-schlau-machen“.

Was ich mir von den Lesern wünsche:

Ein bisschen Verständnis, dass die Zeitung von Menschen unter Zeitdruck erstellt wird. Ein Kunde muss freilich nicht jeden Fehler hinnehmen, darf sich aber auch daran erinnern, wie oft er bei seiner Arbeit danebenliegt – ohne dass das am nächsten Tag die halbe Stadt lesen kann.

So sieht unsere Zeitung im Jahr 2030 aus:

Sie kommt als E-Paper für wenig Geld daher und bietet mir auf drei Seiten in einem schönen Layout die Artikel, die hundertprozentig zu meinen Interessen passen. Auf weiteren Seiten werden zusätzliche Themen angerissen. Erst wenn ich die detaillierten Artikel öffne, muss ich dafür einen Aufpreis zahlen.

Fake News? Lügenpresse? Ich sage Ihnen dazu mal was!

Glauben Sie nicht alles, was in sozialen Netzwerken anonym verbreitet wird. Glauben Sie Journalisten, die mit ihrem Namen für die Richtigkeit ihrer Artikel bürgen.

Mein aufregendster Moment im Journalisten-Beruf?

Als ich mit jungen Jahren einen Pfarrer aus Neunkirchen am Brand zum SPD-Parteitag nach Leipzig begleitet habe, wo der Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 1998  gekürt wurde. Der Geistliche wollte als Gegenkandidat zu Gerhard Schröder auftreten, wurde aber von den Genossen vor die Tür gesetzt. Über diese Geschehnisse zu berichten, war extrem spannend.

Deshalb bin ich Journalist geworden:

Aus Freude am Schreiben und dem Umgang mit der deutschen Sprache.

Mein Lieblingsplatz in der Region ist…

….mein Wohnhaus in Wiesenthau bei Forchheim, weil mich hier die wichtigsten Menschen umgeben: meine Frau und meine beiden Töchter.

Diese Geschichte würde ich gerne mal schreiben:

Wie Milliardär Michael Stoschek, den 1. FC Nürnberg mit ein paar cleveren Personalentscheidungen und noch etwas mehr Geld zum Champions-League-Sieger macht.

In meiner Heimatzeitung lese ich am liebsten…

Glossen, in denen lokale Begebenheiten mit hintergründigem Humor aufgespießt werden. Natürlich die wichtigsten lokalen Nachrichten aus Bamberg und meiner Heimat Forchheim. Und vor allem auch die neuesten Entwicklungen bei den Basketballern von Brose Bamberg.

Quelle: Fränkischer Tag Bamberg vom 20.08.2019, S. 11 / Lokales